Wer durch Selçuk schlendert, kommt früher oder später zur alten Bahnstation – und dort, unter Bäumen und zwischen Mauern, liegt das Café Carpouza: ein Ort für Geschichten, Tee und Schatten.
Das Gebäude des heutigen Café Carpouza trägt den Hauch einer anderen Epoche. Anfang des 20. Jahrhunderts, zur Zeit der osmanischen Modernisierung, brachte die neu errichtete İzmir-Aydın-Bahnlinie eine Welle von Reisenden und Archäologen nach Ayasuluk – das heutige Selçuk.
In dieser Aufbruchsstimmung eröffneten die Betreiber des renommierten „Grand Hotel Huck“ aus İzmir ein Gästehaus direkt am Bahnhof: das „Grand Huck-Ephese“, später bekannt als Ayasuluk Hotel. Es war das erste Hotel der Stadt – zwei Stockwerke hoch, mit Blick auf die Gleise, und beherbergte Pilger, Händler und europäische Reisende auf dem Weg nach Ephesos.
Doch die Geschichte kennt Brüche: Während des Türkisch-Griechischen Kriegs im Jahr 1922 wurde das Gebäude teilweise zerstört – das Obergeschoss brannte nieder. Die Mauern aber blieben, als stumme Zeugen einer vergangenen Zeit.
Erst viele Jahrzehnte später wurde das Erdgeschoss restauriert und in ein Café verwandelt. Heute betreibt die Gemeinde Selçuk das Café Carpouza – benannt nach dem griechischen Wort karpouzi (Wassermelone) – als Gartenlokal mit Sinn für Ruhe, Geschichte und Zwischenräume.
Hier sitzen Gäste, wo einst Eisenbahnpioniere ankamen. Der Wind streicht durch hohe Bäume, der Tee dampft auf alten Steintischen. Aus Hotel wurde Heimat – und aus Geschichte ein Ort, der bleibt.
Nur wenige Schritte vom historischen Bahnhof Selçuk entfernt (Argenta Caddesi 8), empfängt dich ein weiter Garten mit schattigen Plätzen. Der Blick geht auf Gleise und Berge – perfekt für eine Pause vor oder nach dem Besuch von Ephesos.
Türkischer Kaffee, erfrischende Limonade, Kuchen, Toast, Eis – nichts Überladenes, sondern das Richtige zur richtigen Zeit. Alles handgemacht, alles mit Ruhe.
Mit 4,1 von 5 Sternen auf Tripadvisor gilt das Carpouza als Geheimtipp: freundlich, kinderfreundlich, atmosphärisch. Viele loben den „alten Baum im Garten“ – andere den Tee mit Blick auf die Schienen.
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